Dreier Edition Haun + Reißig GbR

Kontaktdaten

  • Görbelheimer Mühle 1
  • 61169 Friedberg (Hessen)
  • Deutschland

Diese Präsentation ist auch in folgenden Sprachen verfügbar

Ansprechpartner

Bitte melden Sie sich an, um die Kontaktdaten des Benutzers zu sehen.

Über uns

Direkt zu Unsere Produkte

Roland Roure


Wer ordnet, mindert die Mannigfaltigkeit der Dinge. Dies ist vor allem bei solcher Kunst sträflich, die ihre Beseelung aus dem Reiz des Spieles, der kindhaften Phantasie und der Anmut der Marionette schenkt. Die Gefahr des Zerredens durch Zuordnung und Kategorien ist bei dem Künstler Roland Roure besonders groß. Bei ihm könnte man fast den Eindruck gewinnen, daß alle seine Objekte mit sich alleine sein wollen und ihr Spiel spielen wollen.


Aus Holz und Draht und Blech, Papier und Farbe geschaffen, verführen sie, mit dem Zug der Magier zu wandern, dem heilbringenden Sterne nach, um die Wunder der Welt neu zu entdecken und das Staunen wieder kennenzulernen, das uns seit Kindertagen verloren ist. Mit den Figuren begeben wir uns in die Welt der Abenteuer des Sindbad oder die Reise des Odysseus und erinnern uns an all die verführerischen Sirenen, den Polyphem und anderes. Dieses Erinnern strömt aus einer viel tieferen Quelle, die nocxh weit hinter den Sagen und Märchen liegt, vor der individuellen Zeit. Es sind Menschheitserinnerungen und die erlernten Prozesse und Kriterien des Erwachsenwerdens haben sie verstellt. Sie kommen aus dem Bilderschoß der Erde.


Staunend und sehend vernehmen wir, wie diese einfachen Objekte Leben gewinnen und ihre Erzählungen anfangen. Manche schweben und kreisen wie Adam und Eva, ein heiteres Mobile, ein Lichtobjekt mit Palmwedeln und natürlich einer vielfältigen Auswahl an Äpfeln zur vielfältigen Verführung. Natürlich sind auch Tiere da, um den vorirdi-schen Zustand, den paradiesischen Zustand, zu kennzeichnen. Andere Objekte stehen starr, wie die kleine Tanzende aus Blech, und doch scheint sie sich im Tanz zu drehen und zu kreisen, wie Roures lineare Objekte von Mann und Frau, die immer wieder aus Fernen zu dem einen Moment des geschlossenen Bildes sich vereinen, das sie ver-lassen müssen und doch immer wieder anstreben, um ein Paar zu bilden.


Das Bild von der Marionette soll bemüht werden, um die Bild- und Sprachwirksamkeit von Roland Roures Objekten zu verdeutlichen. Der kleine Bühnenraum des Marionettentheaters, der uns in die Weiten der inneren Welt entführt, ist in seinen simplen Zeichen so gering ausges-tattet, daß man nicht vom Raum sprechen kann. Die Figuren sind schlaffe Säcke, aber an Schnüren werden die Arme hochgezogen, die Beine können marschieren, und so handeln sie, obwohl sie nur Farb-flächen sind, in ihren grell bunten Gewändern. Es ergibt sich aus dem ein vielgestaltiges Bild, ein Eindruck, reich differenziert und so intensiv, daß vor allem die unverstellten Seelen der Kinder jauchzen und weinen. Sie schreien vor Angst, wenn im Rücken des Kasperls das Krokodil seinen Rachen aufsperrt, und sie lachen, wenn der Kasperl seine Patsche zieht und dem Bösewicht auf die Nase haut.


Linien, Flächen und Volumen sind, in Kombination mit der Farbe und dem Licht, Verursacher all dieser Gefühlsregungen und sie sind so eindringlich und klar, daß das Verstehen allgemein und gültig ist. Nicht zuletzt wegen ihres bedeutenden, innewohnenden Handlungsakzentes hat Roland Roure viele seiner Figürchen und Objekte mit Lichtquellen kombiniert. Es ist zunächst das Licht für ihren eigenen Bühnenraum. Natürlich eignen sie sich auch als Beleuchtungsobjekt.


Man könnte seine Arbeiten in drei Gruppen gliedern:

a)    sind da die Blöcke, minimal gestaltete Volumen aus Holz

b)    gibt es die Flächen aus Blech mit ihren Faltungen und

c)    die Drähte, Linienspiele mit ihren Überschneidungen und

 

Durchdringungen wie Einstrichzeichnungen.


Zudem gibt es noch die Kombination aus den drei Materialien und Formelementen und, zur dramatischen Steigerung, die Farbe.


Die Blöcke


Betrachten wir zunächst die Blöcke, weil sie am eindringlichsten mit dem vertraut machen, was an Simultanität, an gleichzeitiger Wirksam-keit unterschiedlicher Elemente, in den Arbeiten des Künstlers gebun-den ist.


Ein einfaches Vierkantholz, ein Balken, bildet den Rohling für eine langgestreckte Figur, die noch ganz in diesem Block eingeschrieben ist. Die Arme hält die Figur am Körper, die Beine stehen nebeneinander. Nur das Gesicht, umrahmt von den langen Haaren bis zu den Schultern, zeigt verfeinerte Formen im Detail.


Ein Schnitt mit der Säge in den unteren Teil des Blockes ist der nächste Schritt, um zwei Beine deutlich freizustellen. Zwei Schnitte an den Kan-ten rechts und links der Figur, und die Frau oder der Mann hat Arme. Über weiteres Vorgehen kann man ihr ein Kleid anziehen, einen Busen schnitzen oder dem Mann ein Jackett oder eine Hose anziehen. Die Farbe kennzeichnet zudem die unterschiedlichen Spezifika. Manchmal wird der Balken ausschließlich mit Farbe bemalt. Nach und nach entste-hen ganze Ensemble von Frauen und Männern, ganze Menschengrup-pen. Sie stehen beieinander, aber auch, die ganze Länge des Balkens vielgliedrig ausschöpfend, aufeinander. Hier schaut manchmal einer nach links, der andere nach rechts, alle auf den Schultern des Darunterstehenden. Solche Arbeit erinnert an Totempfähle oder an ägyptische Kunst, wo ja auch der Block des Steines oder der Stamm des Holzes die Formvorgabe bestimmte, um Zeichenträger zu werden. Bei Roland Roure ist dieses elementare Beginnen nicht ein Rückden-ken, sondern ein völlig neues Anreichern. Seine Kombinationsmöglichkeiten, seine Kommentierungen, seine Charakteri-sierungen, seine liebevolle Ironie, sein Witz gehen weit über die kultisch, rituell und materiell gebundenen Möglichkeiten der angeführten Ethnien hinaus.


Aus den "Femmes en bois" werden Familienidylle mit Kinderwagen und ähnliches, und wenn man leichtfertig sagt, dieser oder jener sei steif wie ein Stecken, so gibt es hier in vergnüglichster Weise die Möglichkeit, solche Charakterisierung auf ihren Kern zu überprüfen. Ein weiterer Schritt zur Auflösung des Blockes erfolgt nicht nur dadurch, daß er über die Kanten Arme freisägt, sondern auch so, daß er Arme und Beine anfügt. Dadurch gewinnt der Künstler Beweglichkeit für seine Figuren, was bis zur kleinen Szene oder zur Parodie gestaltet werden kann. Solche Figuren sind plötzlich in der Lage, Auftritte zu vollführen.


Trotzdem bleibt bestehen: Am Anfang war der Block. Wie sich in ihm alles erfüllen kann, zeigt eine Arbeit mit dem Titel "Eiffelturm". Das Vierkantholz läuft im Bogen zur linken Senkrechten einer Spitze aus. Alle vier Seiten sind mit Figuren und Feldern bemalt. Man sieht immer alle Teile von vorne oder über Eck. Immer hat man die Totale des Le-bendigen und einen Ge- samteindruck von dem angestrebten Bild.


Dies war, was Robert Delaunay in seinen Bildern von Paris anstrebte. Er wollte den Duft und den Atem der Stadt, die unterschiedlichen Teil-ansichten und Details von Bauwerken, wie dem Eiffelturm, auf die Ebe-ne der Malfläche so auftragen, daß wir aller Dinge umansichtig (einsichtig und ansichtig) werden, und dies dynamisch farbflächen-rhythmisch als Bild. Dies war auch eine Tendenz im Kubismus. Ein Tisch läßt sich nicht wirklich dreidimensional malen. Die Tischplatte mit Aufsicht und Ansicht, links und rechts, sollten gleichzeitig auf die Fläche gebracht werden, um das Gesamt zu erfassen. So haben Gris, Picasso und andere eine Totale von Blumenvasen und Musikinstrumenten, von Gesichtern und Ensemblen auf die Fläche binden wollen. Es ist ein sehr geistreiches Scheitern an Raum- und Zeitvorstellungen, wie sie seit der Renaissance in der europäischen Kunst verwirklicht wurden. Gleichzei-tig ist es aber nicht nur ein Scheitern, sondern auch ein Überwinden dieser Raum- und Zeitzwänge mit den kontinuierenden Abläufen in ein Bild, das sich orientiert an der Unmittelbarkeit einer naiveren Sprache, wie sie uns die Kunst Afrikas schenkt.


Roland Roure kennt beide Wege. Er kennt den Weg in die Summe durch Addition unterschiedlicher Teile und er kennt den Weg in die Summe durch die Konzentration, d.h. das simultane Erfassen gleichzeitig unterschiedlicher Elemente auf der Fläche. Ein Beispiel, signifikant für beide Charakteristika, ist eine Holzskulptur, die aus einer dicken Balkenscheibe besteht. Diese dicke Balkenscheibe ist rot und weiß bemalt mit einigen wenigen akzentuierenden schwarzen Strichen. Die "Schultern" sind abgerundet. Dieses Balkenteil stellt einen kauernden Körper dar. Darauf befindet sich ein gleichbreites, keilförmiges Segment aus einer Holzscheibe. Über die rechte Kante ist diese Holzscheibe zur Hälfte mit einem Gesicht bemalt. An der anderen Ansicht von der Seite her zieht sich dieses Gesicht nach oben rechts und bildet eine Seitenansicht. Der Kopf ist auf dem Rumpf unterschiedlich verstellbar. Beide Teile bilden eine variable, aber immer schwermütig fragende Einheit. Die Lösung für eine solche Arbeit ist so genial wie einfach. Sie ist Konzentration in einem unglaublich intensiven Ausdruck und sie ist Kombination.



Die Fläche


Das Einfache ist das Schwerste, und wenn dies auch noch heiter daher-kommt, scheinen die Philosophien zu scheitern, denn sie wollen das Kategorische und Prinzipielle. Heiterkeit ist Irritation. Aus einem Stück Blech (aus der Fläche) schneidet der Künstler einen Kavalier mit Zylin-der und Blumenstrauß. Aber dieses kleine heitere Männchen schafft er nicht nur einmal, sondern er kann, nachdem er das einfache Prinzip einmal entdeckt hat, diese Arbeit vervielfältigen und so hat er eine ganze Garde von Kavalieren mit Blumensträußen. Die gekonnte Faltung und der versierte Schnitt verwandeln das Langrechteck so, daß außer der vorgegebenen Fläche mit nichts anderem ergänzt wird und alle Teile - Arme, Beine, Kopf, Zylinder usw. - sichtbar aus dieser Grundfläche gewonnen sind. Dies ist geistreich und entzückend. Nach demselben Prinzip schafft Roure Paare, Liegende, Tiere, Mütter mit Kindern auf Bänken, Tanzende, Akte und Paare bei der Promenade. Das Bemerkenswerte ist die körperhafte Präsenz dieser aus der Fläche gewonnenen Figürchen: ihre Unmittelbarkeit, mit der die Figuren auf ihren Holzsockeln stehen. Vom Wesen ihrer Entstehung können sie doch nur hoch und breit sein, aber sie besitzen Tiefe und eine Würde, die vor dem schlichten Gegenstand schon phänomenal ist.


Auch hier beginnt alles Tun, ähnlich elementar wie bei den Blöcken, mit einem langen Streifen. Dieser wird in der Mitte geknickt. Es bildet sich eine Dachform, an den Schultern führt je ein weiterer Knick die folgende Fläche in der Senkrechten nach unten. So entstehen die Umrisse eines langgestreckten Hauses mit Satteldach. Die Flächen werden als Mann und Frau bemalt. Das Ergebnis ist ein Paar, das sich einander zuneigt. So wird Zuneigung sinnfällig. In einem weiteren Schritt wird eine breitere Fläche in einem oberen Streifenteil geknickt. Dies ist die Malfläche für Mann und Frau. Bis zu diesem Knick wird die Fläche von unten nach oben aufgeschnitten. Nach vorne und nach hinten werden die zwei Streifen abgeknickt und wieder zur Senkrechten geführt. Ergebnis ist ein Paar, das nebeneinander steht. Sie wölbt sich vor. Er, etwas zurückge-setzt, läßt seine lange Nase ausgeschnitten hängen und trauert vergan-genen Tagen nach.


So biegt und faltet, schneidet und bemalt er eine Mutter mit Kind, das der mächtigen Frauenfigur zwischen den Beinen spielt. So gestaltet er einen Vater, der seinen Buben auf die Schulter hebt, eine Dame im Abendkleid, eine ganze Welt menschlicher Befindlichkeiten, aber auch Tanzende und Jongleure.


Besonders eindrucksvoll sind modische Frauenfiguren, große Damen, die in ihrer klaren Farbsprache wie Bildflächen wirken und doch drei-dimensional sind. Picasso hat die Welt und ihre Volumen zur Fläche gebunden. Roure schneidet und biegt das Flache in den Raum. Dort läßt er seine Figuren schweben, wie seine Engelsfiguren, die aus unter-schiedlichen Teilen zusammengefügt sind, als wären sie aus biedermei-erlichen Bilderbögen zusammengesetzt, mit Gelenken aus Draht.


Der Biedermeierschnittbogen, der als Kinderspiel nicht nur die bekleide-te Puppe hervorzauberte, sondern ganze Bühnenprospekte, ist eine Assoziation, die der Künstler verzeihen mag, aber es ist ein Wunder, was aus diesen Stücken Papier, diesem einfachsten Geschenk ent-stand: ganze Gesänge und Nymphen des Glücks. Heute spielen die Kleinen mit Gameboys und Computerspielen und kennen nicht einmal mehr das Blechspielzeug, das ratterte und hämmerte, wenn ein einfa-cher Mechanismus es antrieb.


So tritt als wunderbare Poesie eine Märchenwelt aus der Fläche, klingt und schwingt und hält seine Balance auf der Seele eines dünnen Drah-tes. Daraus bewältigt eines der Figürchen von Roland Roure seinen Seilakt. Seine Beine sind rot, gelb, blau bemalte Treppenstufen, sein Leib ist ein gestreiftes Trikot, dort sitzt am Ende der Kopf mit den Pro-pellerarmen auf einer Drehspitze und schwingt an den Händen zwei schwebende Figürchen. Die Fläche ergreift vom Raum Besitz, wie eine Luftschlange, und tanzt und kreist im Wind.




Die Linie


Bei einigen der Flächenfaltungen haben wir schon erkannt, daß Tücher oder ausgebreitete Arme wie zart geschwungene Linien in der Ansicht wirken. Die Linie ist in besonderer Weise die Kennzeichnung der Form als Information. Diese Kennzeichnung der Linie als Information hat dazu geführt, daß der Linie über Jahrhunderte eine geistreiche Haltung zu-gewiesen wurde. Schon Vasari behauptet, daß die Linie in besonderer Weise die Intellektualität einfängt. Selbst malerische Maler haben, in ihren Zeichnungen, der Linie Wichtigkeit gegeben. Verknappend könnte man sagen, die Linie ist der Inhalt und die Farbe ist die Deutung. Die linearen Objekte von Roland Roure haben zunächst die Schwierigkeit, ohne die dramatische Steigerung der Farbe auskommen zu müssen. Deswegen sind sie Vereinfachungen und elementare Kennzeichnungen. Eines seiner linearen Objekte ist: "Le soleil et la lune". Ein Drahtmänn-lein mit einem einfachen U-Bogen als Beine, einem dürren linearen Leib, von dem zwei Arme herabhängen, hat auf dem Hals einen son-nenförmigen Kopf. Auf diesem Kopf ist in einem Bogen ein Auge ange-bracht und auf der anderen Seite ein Profil, das zum einen das Profil des Männleins sein könnte, zum anderen aber auch das weichere Profil einer Frau ist, die nun von diesem sonnenstrahlenden Männerkopf nach unten abhängt. Die Arme hängen u-förmig und an dem linearen Leib ist eine dreieckige Fläche angebracht. Dies ist ein Rock. Diese Doppel-wirksamkeit der Linie, sowohl Profil für ihn als auch Profil für sie sein zu können, ist schon in der einfachen Fläche wirkungsvoll. Auch der Balan-ceakt der aufeinanderbezogenen Figurinen ist erheiternd und gelöst. Nun ist aber das Ganze als Skulptur in einem labilen Zustand, da sich die Frauenfigur um das Männlein herum dreht. In einem ganz bestimm-ten Moment kommt es, durch das gegenüberliegende Gewicht, das wie ein Auge gebildet ist, zu einer Vereinigung und Vereinheitlichung der Formen, zum Paar.


Roland Roure hat hier eine unglaubliche Ambivalenz entdeckt, die viele Künstler niemals in jenen erlösenden Schritt des Mobiles geführt haben. Auch Picasso hat in vielen seiner Grafiken und Bilder die Gleichzeitig-keit unterschiedlicher Seinszustände in der linearen Fesselung kennt-lichgemacht. Auch bei ihm kennen wir sich überschneidende Profile und Konturen von unterschiedlichen Ansichtsseiten einer Figur auf der Fläche und bei ihm ist auch das Doppelprofil die innigste Verbindung zwischen unterschiedlichen Elementen. Die Linie, die Kontur, ist also einmal die Stelle der Vereinigung, aber auch der Trennung. In den aufgelösten, verspielten Mobiles von Roure ist diese Verwandlung im Endeffekt wie ein Hauch des Lebensatems. In der ständigen Verän-derung drückt sich ein Lebensgesetz aus, daß das Glück immer nur ein seltener Moment dieser Vereinigung ist. Unter diesem Aspekt wirken die Lineardurchdringungen in der Malerei bei Picasso fast starr und akademisch. Wo aber, wie bei Roure, die symbiotische Durchdringung geschafft ist, sind diese Glücksmomente in den linearen Objekten besonders erfüllend. Gleichzeitig haben wir in den linearen Objekten alle Möglichkeiten der heiteren und kuriosen Betrachtung von Welt, etwa in der schönen Arbeit "Le Chinois", 1995. Der kleine Chinese auf dürren Beinchen mit dem mondrunden Gesicht, das nur aus gebogenen Dräh-ten besteht, schaut ebenso trutzig wie selbstbewußt auf den Betrachter und jedes Vibrieren in der Luft verändert seine Physiognomie leicht.


Die massiven Hölzer, die Blöcke und auch die schon viel leichteren Faltungen aus denBlechflächen haben in der Linie ihre höchste Kon-zentration und ihre geistreichste Reduktion gefunden.


Für Roland Roure ist der Umgang mit der Linie und ihren vielen Varian-ten, in ihrer instabilen Kombinationsmöglichkeit, die gedankliche Schalt-stelle, gewissermaßen das Gelenk, um alle Elemente von Stabil und Labil, von Schwere und Leichtigkeit, von Farbe und von Fläche durch Drähte miteinander zu verbinden und in eine unmittelbare Wirksamkeit zu bringen, als hinge alles Leben an Fäden und Drähten.


Theater des Lebens?


Es wäre zu wenig, wollte man sagen, alles sei Theater. Bei Roure wird alles zur Imagination! Alle Arbeiten von Roland Roure sind voll Heiter-keit, Spontaneität und Witz. Sie bilden Ensembles lebendiger Vorgänge.


Diese Vorgänge sind aber nicht filmgleicher Nachvollzug wirklicher Abläufe, sondern Szenarien eigener Realität, die aus skurrilen und kuriosen Material- und Formkombinationen erreicht werden. Darum entführen uns seine Objekte in eine surreale Wirklichkeit mit eigenen Zeit- und Raumvorstellungen.


Daraus wächst Gelöstheit und Unbekümmertheit, Selbständigkeit und Großartigkeit seiner Dinge und ihre intensive Unmittelbarkeit. Seine Reduktionen sind geistreich und treffend, sprachkräftig und eindringlich. Sie schöpfen aus der Geschichte der Kunst und der Menschheit so viel, wie sie für ihr selbständiges Leben benötigen. Gerade bei den Mobiles wird deutlich, daß ihre Veränderlichkerit nicht von einer Maschine kom-men kann, aus einer regulierten, gesetzlichen Motorik, sondern vom Wind, der Wärme, von Potenzen, die über ein Streicheln, eine seelische Näherung hervorgerufen werden. Die Objekte wecken Zuwendung. Das schafft ihre Selbstbewußtheit. Sie sind, selbst dort, wo man sie einset-zen kann - etwa als Beleuchtung -, nicht funktional. Sie können mit sich alleine sein.


Henri Matisse (1869-1954) hat in seinem Gemälde "Luxe, Calme et Volupté", 1907, die Malerei auf wenige Elemente reduziert. Damals schon verzichtete der Künstler auf die traditionelle Perspektive. Brewit angelegte Flächen reiner Farbe, ab und an von kräftigen Linien um-schlossen, genügten, um Grundsätzliches umfassend zu sagen. Seine drei Akte wurden bei aller Bewegtheit Flächenzeichen von ornamenta-ler, aber auch informativer Wirkung. In dieser Kunst, in diesen Mustern von Matisse sehe ich eine Anregung für Roure, aber auch die von ihr ausgehende große Leistung unseres Künstlers, in der Durchdringung von Malerei und Skulptur einen neuen Weg gefunden zu haben, ein neues Zeichen für friedliches Leben, für Hinwendung zu schaffen. Spie-lerisch und ernst stellen seine "Marionetten" die Ornamente und Lese-zeichen für etwas sehr Schönes dar: Liebe, Frohsinn und Anmut.



Dr. Friedhelm Häring


Oberhessisches Museum, Gießen

 

Produkt

cheveux dorès

cheveux dorès Licht-Objekt aus Holz Blech, Draht und Glasfiber, variierend bemalt, Höhe ca. 70cm...

Dreier Edition Haun + Reißig GbR Görbelheimer Mühle 1 61169 Friedberg (Hessen) Deutschland +49 6031/12803 dreier-edition@web.de

Produkt

petite fille

petite fille Objekt aus Holz, variierend bemalt, Höhe ca. 35 cm Auflage 45 Exemplare nummeriert...

Dreier Edition Haun + Reißig GbR Görbelheimer Mühle 1 61169 Friedberg (Hessen) Deutschland +49 6031/12803 dreier-edition@web.de

Produkt

mademeoiselle cairanne

mademeoiselle cairanne Objekt aus Blech und Draht, Oberteil drehbar, variierend bemalt, Höhe ca....

Dreier Edition Haun + Reißig GbR Görbelheimer Mühle 1 61169 Friedberg (Hessen) Deutschland +49 6031/12803 dreier-edition@web.de

Produkt

sous les palmiers

sous les palmiers Licht-Objekt aus Blech und Draht, variierend bemalt, Höhe ca. 110cm Auflage 99...

Dreier Edition Haun + Reißig GbR Görbelheimer Mühle 1 61169 Friedberg (Hessen) Deutschland +49 6031/12803 dreier-edition@web.de

Produkt

Foam Flowers

Foam Flowers Licht-Objekt aus Holz und Draht, variierend bemalt, Höhe und Länge ca. 15cm Auflage...

Dreier Edition Haun + Reißig GbR Görbelheimer Mühle 1 61169 Friedberg (Hessen) Deutschland +49 6031/12803 dreier-edition@web.de

Aussteller auf der folgenden Messe

Ambiente 2016

12.02.2016 - 16.02.2016 Halle: 11.0 Stand: G 86